Nach drei Jahren Ruhe dreht auch Tidal an der Preisschraube, und Bestandskunden müssen der Erhöhung aktiv zustimmen. Ob Musik oder Serien: Wer mehrere Streamingdienste abonniert hat, dürfte in den vergangenen Jahren mehr als einmal eine Mail mit neuen Preisen im Postfach gefunden haben. Tidal hielt sich dabei bislang auffallend zurück. Damit ist jetzt Schluss, und der Aufschlag fällt alles andere als zaghaft aus.
Die neuen Preise im Überblick
Für Neukunden gelten die neuen Konditionen bereits seit August 2026, nun zieht Tidal auch bei den Bestandskunden nach. Sie werden per E-Mail über die Änderung informiert. Nach Angaben des Supports sehen die Monatspreise in Europa künftig so aus:
- Individual: 12,99 Euro statt 10,99 Euro (plus 18,2 Prozent)
- Family: 21,99 Euro statt 16,99 Euro (plus 29,4 Prozent)
- Studenten: unverändert 5,49 Euro
- DJ-Extension: unverändert 9,00 Euro
Am härtesten trifft es Haushalte mit Family-Abo. Fünf Euro mehr im Monat summieren sich übers Jahr auf 60 Euro. Einzelnutzer kommen mit 24 Euro Mehrkosten pro Jahr vergleichsweise glimpflich davon.
Ohne Zustimmung kein Abo
Bemerkenswert ist das Vorgehen: In den Mails bittet Tidal ausdrücklich um eure Zustimmung zum neuen Preis. Bis zum genannten Stichtag bleibt es beim bisherigen Betrag. Wer nicht zustimmt, muss damit rechnen, dass das Abo zum nächsten Abrechnungszeitraum ausläuft. Habt ihr Tidal über Apple oder Google abgeschlossen, informiert euch die jeweilige Plattform gesondert. Der Hintergrund ist rechtlicher Natur. Mehrere Gerichte hatten in der Vergangenheit Preiserhöhungen von Streamingdiensten beanstandet und gekippt, die ohne ausdrückliche Einwilligung der Kunden durchgesetzt wurden. Mit der aktiven Zustimmung sichert sich der Dienst gegen solche Urteile ab.
Die Begründung: Künstler und drei Jahre Pause
Wie Neowin berichtet, führt Tidal zwei Argumente an. Zum einen handle es sich um die erste Anhebung seit drei Jahren, zuletzt waren die Preise im August 2023 gestiegen. Zum anderen sollen die Mehreinnahmen den Künstlern zugutekommen. Das passt ins Bild, schließlich wirbt Tidal seit Jahren mit vergleichsweise hohen Ausschüttungen pro Stream. Dazu fügt sich auch die jüngst eingeführte KI-Richtlinie. Für vollständig KI-generierte Musik zahlt der Dienst keine Tantiemen mehr und kennzeichnet entsprechende Titel. Damit setzt Tidal einen klaren Gegenpol zu Spotify, das solchen Inhalten deutlich offener begegnet. Einen Haken hat die Argumentation trotzdem. Wie viel vom zusätzlichen Geld tatsächlich bei den Musikern landet, verrät Tidal nicht. Ohne konkrete Zahlen bleibt das Künstler-Argument ein Versprechen, das sich nicht überprüfen lässt, und das hinterlässt einen faden Beigeschmack.


